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Trübe Aussichten für Banken und Anleger

10 Jahre Negativzins in den 2020ern

– trübe Aussichten für Banken und Anleger!?

Seit der Jahreswende sind in zahlreichen Medien Prognosen zum Aktienmarkt erschienen: Wohin geht es mit DAX, EUROSTOXX und S&P? Was bringt die Zukunft, wo gibt es Trends, was wird sich bis 2030 verändern? Die Tatsache, dass die geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten „Babyboomer“, im nächsten Jahrzehnt in Deutschland in Rente gehen werden, wird in den Vorrausschauen häufig berücksichtigt.

Während die Aktienmarkt-Prognosen sicher bei vielen auf Interesse stoßen, ist jedoch ein wesentlich größerer Anteil der Bevölkerung von der Zinsentwicklung betroffen. Doch die Zukunftsaussichten sind düster. Die Null- und Negativzinsen werden uns womöglich das ganze nächste Jahrzehnt begleiten. Wie kam es dazu – und wie kann es weitergehen?

Der Ursprung der niedrigen Zinsen lag in der Finanzkrise 2009.

Was ist damals passiert?

Ausgehend von den vorangegangenen Zinssteigerungen in den Jahren 2003 bis 2007 in den USA, konnten viele Immobilienbesitzer dort die steigenden Zinsen für ihre Kredite nicht mehr bezahlen. Sie mussten infolge dessen ihre Häuser verkaufen, was ein plötzliches Überangebot auf dem Immobilienmarkt zur Folge hatte. Somit verloren die Häuser an Wert. Dies trug aufgrund des geringen oder gänzlich fehlenden Eigenkapitaleinsatzes der Immobilieneigentümer zu deren Überschuldung bei. Der Wert der Häuser unterschritt beim Zwangsverkauf häufig den Kreditbetrag, was zu einer Abschreibung der Kredite bei den Banken führte.

Viele dieser Kredite wurden in den Jahren davor von den US-Banken in verzinsliche Wertpapiere „verpackt“. Fast weltweit wurden diese Wertpapiere von den US-Banken weiterverkauft. Daher beschränkten sich die Verluste nicht nur auf amerikanische Kreditinstitute, sondern trafen auch viele Banken in Europa. Das führte zum Eingreifen der nationalen Notenbanken und der Europäischen Zentralbank (EZB). Durch Stützungsmaßnahmen der EZB wurde weitgehend ein Zusammenbruch der Kreditinstitute abgewendet. Gleichzeitig wurden die Zinsen stark gesenkt, um günstigere Investitionsmöglichkeiten für Unternehmen zu schaffen und die Konjunktur zu stützen.

EZB – verantwortlich für das aktuelle Zinsniveau.

Wie hat sich die Lage in Deutschland seither verändert?

Die Konjunktur und die Aktienmärkte haben sich innerhalb von zehn Jahren deutlich erholt. Die Arbeitslosigkeit ist stark zurückgegangen. Deutschland hat eine niedrige Inflation – sie ist bei etwa 1,7 Prozent. Allerdings hat die EZB die Zinsen bis in den negativen Bereich von minus 0,5 Prozent gesenkt. Banken, die überschüssiges Geld bei der EZB kurzfristig anlegen, erhalten also keine Zinsen mehr, sondern müssen draufzahlen. Dadurch, und durch Anleihekäufe der EZB, ist das Zinsniveau auch für andere, sichere Anlagen zurückgegangen. Die Banken haben normalerweise einen Überhang an Spareinlagen, die sie nicht vollständig als Kredite ausgeben können. Die überschüssige Liquidität wurde oft in Bundesanleihen und Pfandbriefen angelegt, um einen Zinsüberschuss zu erwirtschaften. Für Bundesanleihen, Pfandbriefe und sichere Unternehmensanleihen erhalten die Kreditinstitute aber nur noch eine negative Rendite. Deshalb gehen immer mehr Banken und Sparkassen dazu über, von Anlegern einen Negativzins zu verlangen.

 

Musterbilanz einer Universalbank  – bitte anklicken zum vergrößern.

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Ein Vermögensaufbau wird für Anleger daher immer schwerer. Für Sparer ist weder ein positiver Ertrag noch ein Inflationsausgleich möglich. Um die etwa 1,7 Prozent Inflation und 0,5 Prozent Negativzinsen bedeuten 2,2 Prozent Verlust jedes Jahr für den Sparer – jedes Jahr.

Wie kann es weitergehen?

Die EZB hat ein Inflationsziel von 2 Prozent per anno. Da die offizielle Inflationsrate in den letzten Jahren regelmäßig dieses Inflationsziel unterschritten hat, besteht hier keine Veranlassung die Zinsen zu erhöhen. In Südeuropa herrscht insbesondere unter Jugendlichen nach wie vor eine hohe Arbeitslosigkeit. Steigende Zinsen würden schwächere südeuropäische EU-Staaten mit höheren Kosten belasten und sind daher nicht geeignet, deren Situation zu verbessern. Die niedrigen Zinsen unterstützen zudem die Unternehmen, welche nun Investitionen günstiger finanzieren können. Dies stützt wiederum das Wirtschaftswachstum. Den Banken schadet der Negativzins, denn sie können – wie oben erwähnt-, die überschüssige Liquidität nicht mehr in sichere Anleihen investieren, ohne eine negative Rendite zu erwirtschaften. Und durch den Renteneintritt der Babyboomer wird die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen gedämpft, und somit auch eine steigende Inflation verhindert. Denn wir wissen alle: Die Rente deutlich ist niedriger als das Arbeitseinkommen.

Meine Prognose: Die 2020er Jahre werden weiterhin durch eine niedrige Inflation und einem geringen Wirtschaftswachstum geprägt sein. Daher wird die EZB von der Negativzinspolitik nicht abweichen. Banken und Sparkassen werden den Negativzins in den nächsten Jahren mehr und mehr an die Sparer mit hohen Tagesgeldanlagen weitergeben. Der Negativzins mit minus 0,5 Prozent oder mehr wird in den nächsten zwei bis drei Jahren für große Tagesgeldguthaben zum Normalzins werden.

Wie können Anleger reagieren?

Alle Anleger, die sich bisher nicht mit dem Aktienmarkt beschäftigt haben, sollten damit anfangen, und sich über Investitionsmöglichkeiten informieren. Neben langfristigen Kurs-Chancen bieten auch die Dividenden einen Beitrag zum Vermögensaufbau oder um sich im Alter noch ein paar Wünsche zu erfüllen. Eine Investition in den Aktienmarkt kann direkt oder über Fonds mit kleinen monatlichen Beträgen erfolgen. Die in Zukunft niedrigeren Renten machen andere Formen des Sparens unumgänglich. Mit der Riesterförderung und durch die vermögenswirksamen Leistungen für Aktienfonds wird diese Sparform auch noch staatlich gefördert. Sofern die Erträge nicht entnommen werden, profitieren Sie vom Zinseszinseffekt.

Grafik: Was bringt eine Anlage – mit jährlicher Ausschüttung oder dem Zinseszinseffekt

Zinseszinseffekt von Ralf Stock – bitte anklicken zum vergrößern.

Stand: 18.02.2020